Angespannte Verhältnis zwischen Ostpreußenschule und Sportlern
Süddeutsche Zeitung befasst sich mit dem Thema
Seit ca. 2008 - seitdem ein neuer Hausmeister in der Ostpreußenschule tätig ist - gibt es Probleme. Probleme, die der TSV München Nord-Ost e. V. noch nie zuvor hatte. Gespräche mit Rektorin, Hausmeister etc. haben bisher nichts gebracht. Seitens der Ostpreußenschule zeigt man sich resistent, was die Grundbedürfnisse des Turn- und Sportvereins angeht.
Die Süddeutsche Zeitung hat sich nun dieser Thematik angenommen, aufwändig recherchiert und einen Artikel über das Gebaren des Hausmeister geschrieben. Der Artikel liegt als pdf-Datei (am Ende des Artikels) vor. In der pdf-Datei befindet sich der Artikel der Süddeutschen Zeitung vom 4./5. Dezember 2010 sowie der reine Text, zwecks besserer Lesbarkeit. Der gleiche Text befindet sich auch auf dieser Website.
CSU-Stadtrat, Robert Brannekämper, wurde von dem ehemaligen 1. Vorstand, Michael Kronthaler, umfassend informiert (siehe Artikel). Am Dienstag, 14. Dezember 2010, ist um 19:30 im Ökolischen Bildungszentrum (Englschalkinger Str. 166) ist eine Bezirksausschusssitzung. Da soll dieses Thema behandelt werden.
Hausmeister legt Sündenregister über Sportler an
TSV München Nord-Ost fühlt sich aus Turnhalle der Grundschule an der Ostpreußenstraße verdrängt - und schaltet deshalb jetzt den Stadtrat ein
Von Nicole Graner und Sabine Wejsada
Bogenhausen - Auf einmal hängt da ein Zettel an der Tür zur Turnhalle: Von 8. November an kann der TSV München Nord-Ost die untere Sporthalle nicht mehr nutzen. Unterschrieben von der Rektorin der Grundschule an der Ostpreußenstraße in Bogenhausen. Und tatsächlich: Als die Trainer und Turner des TSV München Nord-Ost, einem Sportverein mit nahezu 900 Mitgliedern, Mitte November ihre Übungsstunde in der Schulturnhalle beginnen wollen, stehen sie vor verschlossener Tür. Das Angebot des Clubs, der in besagter Schule seit Jahrzehnten Sportstunden für Kinder und Erwachsene organisiert, ist nicht mehr zu halten. Die Schule hat plötzlichen Eigenbedarf angemeldet, wie Michael Kronthaler berichtet, der zehn Jahre erster Vorsitzender des TSV München Nord-Ost war und seit Mittwochabend nicht mehr im Vorstand ist. "Aus dem Nichts und ohne uns vorher zu informieren", kritisiert der ehemalige Vereinschef.
Dabei werden die Belegungspläne für die Hallen der Münchner Schulen mit großem Vorlauf aufgestellt. Die Schule selbst meldet ihren Bedarf an, Vereine und Sportclubs, die nicht in der glücklichen Lage sind, eigene Trainingsmöglichkeiten zu besitzen, ebenfalls. Im Schul und Kultusreferat der Stadt München laufen die Fäden zusammen. Mitarbeiter stimmen die Wünsche ab, wobei Schulen und auch schulische Einrichtungen wie Horte "immer Vorrang" hätten bei der Planung, sagt Pressesprecherin Eva-Maria Volland. Vereine müssten bis zum Juli ihre Belegungswünsche anmelden, Schulen könnten ihren Bedarf nach Be-
Kinder, Eltern und Trainer sollen rüde behandelt worden sein.
ginn des neuen Schuljahres Ende September, Anfang Oktober mitteilen, sagt Volland. Brauche die Schule ihre Turnhalle nach Unterrichtsschluss nicht, dürften sich Vereine um die Benutzung bewerben. Der TSV München Nord-Ost ist mit dieser Praxis nach den Worten von Michael Kronthaler in der Vergangenheit immer gut gefahren. Bis zum Jahr 2008. Seitdem gibt es immer wieder Ärger in der Ostpreußenschule sagt Kronthaler, und auch seine Kollegen aus dem Verein sowie Mütter von Kindern, die regelmäßig zu den Turnstunden des TSV kommen, klagen über Probleme mit der Schule, in Person des Hausmeisters. Er soll Buben und Mädchen ausgeschimpft, Eltern rüde gemaßregelt und auch Trainer des TSV harsch angefahren haben, wie Kronthaler schildert: "Viele Kollegen haben ihren Dienst quittiert; sie wollen einfach nicht mehr in der Ostpreußenschule ihre Stunden abhalten." Die ständige"Gängelei" durch den Hausmeister der Schule ist auch für Mechthild Roth, die seit 25 Jahren im Verein das Kleinkinderturnen betreut und bislang in der Turnhalle der Ostpreußenschule unterrichtete, "ein Grund aufzuhören".
Einige Angebote, wie das Kleinkinderturnen, hat der Verein in der Vergangenheit deshalb bereits in die Hauptschule an der Knappertsbuschstraße verlegt. Was gerade für Eltern, die mit ganz kleinen Kindern zum Sport unterwegs sind, einen weiteren Weg bedeutet. Der Verein fürchtet, dass er dadurch "seine Mitglieder der Zukunft" verlieren könnte. Denn gerade in derartigen Kinderturnstunden, wo sich schon die ganz Kleinen unter dem Dach eines großen Clubs sportlich betätigen können - und dann im besten Fall im Jugend- und Erwachsenenalter dem Verein als Mitglieder treu bleiben. Nun sieht es so aus, als würde der TSV München Nord-Ost mit seinem kompletten Angebot der Ostpreußenschule den Rücken kehren müssen. "Die Situation hat sich weiter verschärft", sagt der 55-jährige Michael Kronthaler. Einvernehmliche Gespräche mit Schulleitung und Hausmeister seien nicht möglich, so der Vereinsfunktionär. Ein Runder Tisch, der gleich nach den ersten Schwierigkeiten im Jahr 2008 einberufen worden sei, habe seinen Namen nicht verdient. "Das hat nichts gebracht", versichert Kronthaler enttäuscht. Der Hausmeister hat sogar ein "Sündenregister" angelegt, in dem die Verfehlungen des Sportvereins mit Fotos und kurzen Texten dokumentiert sind. Für Kronthaler ein Unding.
In der Ostpreußenschule schätzt man die Lage komplett anders ein: Rektorin Angelika Fuchs betont auf Anfrage der Süddeutschen Zeitung, von neuerlichen Problemen mit dem TSV München Nord-Ost nichts zu wissen, und plädiert dafür, Derartiges "intern zu klären". Dass der Schulhausmeister darauf achte, dass in dem vor vier Jahren generalsanierten Gebäude Ordnung herrsche und die Einrichtung nicht kaputt gehe, sei ganz in ihrem Interesse, versichert Fuchs. Dass der Verein über die knappen Belegungszeiten klage, könne sie zwar verstehen, aber: "Unsere zwei Turnhallen sind von Montag bis Donnerstag bis zum Abend besetzt", von der Schule selbst, dem Hort, anderen Vereinen wie Hellos Daglfing oder dem Faschingsverein Feringa. Und seit neuestern auch von Schülern des nahe gelegenen Wilhelm- Hausenstein-Gymnasiums, das derzeit saniert und erweitert wird. "Der schulische Bereich geht vor", formuliert Rektorin Fuchs die Belegungsprinzipien der Hallen.
Das räumt selbstverständlich auch Michael Kronthaler vom TSV München Nord-Ost ein: "Keine Frage, das muss sein. " Ihn treibt allerdings etwas anderes um: Er habe den Verdacht, dass es der Ostpreußenschule ganz recht sei, den Sportverein "ganz rauszubekommen". Der besagte Zettel vom Oktober, dass die Halle nicht mehr genutzt werden könne, jedenfalls deute darauf hin. Noch dazu, weil der Aushang nicht vom Schul- und Kultusreferat der Stadt München veranlasst worden ist, wie Sprecherin Eva-Maria Volland sagt.
Doch so leicht will der TSV München Nord-Ost nicht klein beigeben. Kronthaler hat sich in einem langen Brief an den Münchner CSU-Stadttat Robert Branne- kämper gewandt und darin die Problematik seines Vereins geschildert; thematisiert worden sind in dem Schreiben auch die atmosphärischen Störungen zwischen den handelnden Personen.
Verfehlungen des Vereins, mit Fotos und Texten dokumentiert
Brannekämper seinerseits hat zugesagt, sich für den TSV München Nord-Ost einzusetzen: "Entweder man regelt die Sache einvernehmlich oder ich werde Stadtschulrat Rainer Schweppe einen Brief schreiben", sagte Brannekämper; der auch dem Bezirksausschuss Bogenhausen angehört, der SZ. Zudem werde er in Sachen Hallenbelegung recherchieren - und falls nötig auch mit dem in die Kritik geratenen Hausmeister sprechen. Schließlich könne es nicht angehen, einen Sportverein, der keine eigene Halle besitze, auszumanövrieren. Nicht auszuschließen, dass die Angelegenheit den Bezirksausschuss Bogenhausen in seiner nächsten Sitzung am Dienstag, 14. Dezember, beschäftigt.